Die Gemeinde in Ulm
Die Gemeinde in Ulm

Der Christ und die Gemeinde

Betrachten wir das heutige Christentum etwas genauer, so ergibt sich ein sehr zerrissenes Bild: neben den beiden großen Konfessionen gibt es viele Freikirchen und unzählige Gruppen, Kreise oder Missionswerke. Und doch nennen sich alle Christen, glauben an denselben Herrn und lesen in derselben Bibel.
Hier stellen sich zwangsläufig einige Fragen: In welche Kirche oder Gruppe soll ich als Christ eigentlich gehen? Gibt es die "richtige" Kirche bzw. Gemeinde überhaupt? Oder: Soll ich einfach bleiben, wo ich bin, und dort gemäß meinen Möglichkeiten tätig sein? Oder soll ich mir die Gruppe heraussuchen, die mir persönlich am meisten zusagt?
Wo finden wir eine verlässliche Antwort auf solche und ähnliche Fragen?

Wie war es am Anfang?

Um eine klare und zuverlässige Antwort auf diese Fragen zu erhalten, kommen wir nicht umhin, das Wort Gottes zu Rate zu ziehen, denn das Neue Testament beschreibt Entstehung und Leben der Gemeinden im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung sehr genau.
Die Bibel kennt nur Christen - das heißt Menschen, die an Jesus Christus glauben und ihn in einer Glaubensentscheidung in ihr Leben aufgenommen haben
(Apg. 16:31; Joh. 1:12) - und Nichtchristen. Bezeichnungen wie Katholiken, Protestanten, Baptisten oder Lutheraner (um nur einige zu nennen) existierten zur damaligen Zeit natürlich nicht. Außerdem lesen wir nur von einer Gemeinde aller Christen, die an dem Ort, an dem sie wohnten, zusammenkamen.
So beginnt der erste Korintherbrief mit den Worten:
"Paulus, berufener Apostel durch Gottes Willen, ... der Gemeinde Gottes, die in Korinth ist."
Alle Gläubigen in Korinth versammelten sich als die Gemeinde in Korinth, und ebenso war es in allen anderen Städten und Orten, von denen uns das Neue Testament berichtet und in denen es Christen gab (Apg. 8:1; 13:1; 1. Thess. 1:1; Offb. 2:1). Nirgendwo lesen wir in der Bibel davon, dass es an einem Ort mehrere Gemeinden gegeben hätte!

 

Der Leib Christi

Als zur damaligen Zeit in der Gemeinde in Korinth Streitigkeiten auftraten, äußerte sich der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther sehr deutlich: "Denn es ist mir ... bekannt geworden, meine Brüder, dass Streitigkeiten unter euch sind. Ich meine aber dies, dass jeder von euch sagt: ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber Christi. Ist Christus denn zertrennt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?" (1. Kor. 1:11-13)
"Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise? Denn wenn einer sagt: Ich bin des Paulus, der andere aber: Ich des Apollos - ist das nicht nach Menschenweise geredet?" (1. Kor. 3:3-4)
Aufgrund menschlicher Vorlieben für bestimmte Diener Gottes waren in der Gemeinde in Korinth Parteiungen entstanden, weswegen Paulus die Korinther entschieden zurechtweisen musste. Dabei war es jedoch noch nicht so weit gekommen, dass sich die Gläubigen aufgrund ihrer unterschiedlichen Vorlieben voneinander getrennt und verschiedene Gruppen gebildet hätten! Paulus verurteilte jedoch schon die Anfänge für solche Spaltungen aufs schärfste. "Ist Christus denn zertrennt?" mahnt er die Korinther. Auch lässt der Apostel keine Zweifel daran, dass selbst ein solches Denken und Reden fleischlich und menschlich ist und dem Willen Gottes entgegensteht.
An anderer Stelle schreibt Paulus den Korinthern:
"Ihr aber seid Christi Leib und, einzeln genommen, Glieder." (1. Kor. 12:27)
 

Die Gläubigen in Korinth waren der sichtbare Ausdruck des Leibes Christi an ihrem Wohnort. Weshalb benützt Paulus das Bild vom Leib, wenn er von der Gemeinde spricht? Zum einen gehören die einzelnen Glieder am Leib zusammen und bilden eine organische Einheit und andererseits ist es undenkbar, einen Leib in mehrere Teile zu zertrennen. Eben diese Aspekte gelten insbesondere für den Leib Christi, die Gemeinde.
Gottes Gedanken sind doch oft viel höher als die unsrigen! Gott möchte, dass seine Kinder, die an einem Ort wohnen, eins sind; er erlaubt ihnen nicht, sich innerhalb eines Ortes voneinander abzugrenzen oder zu spalten.
Kurz vor seinem Tod am Kreuz betete der Herr Jesus für die Einheit aller Gläubigen:

"... damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind - ich in ihnen und du in mir - dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast." (Joh. 17:21-23)
Dieses Anliegen hatte der Herr besonders auf seinem Herzen: dass diejenigen, die an ihn glauben, alle eins sind - als sichtbares Zeugnis vor der Welt.
Haben wir Christen ein solches Zeugnis der Einheit? Viele Menschen, die gar nicht an den Herrn Jesus glauben, sehen den Widerspruch, dass die Christen von Einheit und Liebe reden, aber doch untereinander zertrennt und sogar zerstritten sind.
Was hätte der Apostel Paulus zu der heutigen Situation unter uns Christen zu sagen, wo es doch an jedem Ort neben den großen Kirchen noch Freikirchen, Gruppen und Kreise gibt?
Wenn Paulus die Korinther wegen einer beginnenden Spaltung aufs schärfste zurechtgewiesen hat, wie viel mehr würde er die vorliegende Spaltung der Kinder Gottes verurteilen!
Was für ihn undenkbar war - nämlich dass Christus zertrennt sein sollte - ist seit vielen Jahren die traurige Wirklichkeit unter uns Christen, und an dieser Tatsache gibt es nichts zu beschönigen.

 

Viele von uns mögen den heutigen Zustand des Christentums für unveränderbar halten - ist er ja über Jahrhunderte hinweg so gewachsen - und geben sich einfach mit der Lage der Dinge zufrieden.
Die Frage ist jedoch nicht, wie
wir die vorliegende Situation sehen und beurteilen. Die alles entscheidende Frage ist, wie Gott sie sieht und wie er sie beurteilt!
Wenn Gott in seinem Wort eine Spaltung des Leibes Christi klar verurteilt hat, sollte er dann seinen Willen unseretwegen geändert haben? Sollte Gott heute Spaltungen gutheißen?
Gottes Wort hat nach fast zweitausend Jahren nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt und Gottes Wille ist heute noch genau derselbe wie damals. Wir sollten nicht versuchen, aus Gottes Wort nur das herauszulesen, was uns angenehm ist, sondern uns eingestehen, dass wir in Bezug auf die Gemeinde den Willen Gottes gar nicht beachtet haben und den verkehrten Weg gegangen sind.
Gott muss sich nicht unserer heutigen Situation anpassen, sondern viel mehr ist es an der Zeit, dass
wir umkehren, alles Trennende ablegen und uns in Einheit als praktischer und damit sichtbarer Ausdruck des Leibes Christi an unserem Wohnort versammeln.
"Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung! Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist." (Eph. 4:3-6)
Diese Einheit, die es zu Lebzeiten von Paulus als Ausdruck des einen Leibes Christi praktisch sichtbar gab, gilt es heute mit allem Fleiß zurückzugewinnen und zu bewahren.

 

Was sollen wir tun?

Nach allem, was das Wort Gottes uns zeigt, können wir nichts anderes tun, als uns auf dem Grund der Einheit als die Gemeinde in Ulm zu versammeln.
Uns ist dabei wohl bewusst, dass eigentlich jeder Christ, der in Ulm wohnt, seiner Stellung nach zur Gemeinde in Ulm gehört - ob er diesem Ruf jedoch Folge leistet, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Wir bitten jeden Bruder und jede Schwester, den Herrn zu fragen und im Wort Gottes zu prüfen, ob das, was wir hier in Kürze ausgeführt haben, Gottes Wille ist oder nicht!
Wir haben einen Anfang gemacht, indem wir alles Trennende, jeden Namen und unbiblischen Brauch abgelegt haben, uns als Brüder und Schwestern in Einheit versammeln und Christus als unser Haupt festhalten. In ihm zusammengefügt werden wir als lebendige Steine miteinander aufgebaut zu einer Wohnung Gottes im Geist
(Eph. 2:21-22).
Wir laden jeden Gläubigen in dieser Stadt herzlich dazu ein, mit uns gemeinsam diesen Weg zu gehen.
Wir können bezeugen, dass wir auf dem wahren Grund der Einheit - gemäß dem neutestamentlichen Vorbild - den reichen Segen des Lebens erfahren und genießen:

"Siehe wie fein und wie lieblich ist es, wenn Brüder in Einheit beieinander wohnen! ... Denn dorthin hat der Herr den Segen befohlen, Leben bis in Ewigkeit." (Psalm 133:1, 3b)

 

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